Zwischen Satire, Alltag und Sinnbild: „Bruegel. Printed“ in Frankfurt

Vom 18. Juni bis 20. September 2026 zeigt das Städel Museum in Frankfurt am Main die Ausstellung „Bruegel. Printed“. Im Mittelpunkt der Schau stehen Druckgrafiken nach Zeichnungen von Pieter Bruegel dem Älteren, der zu den prägenden Künstlern der niederländischen Kunst des 16. Jahrhunderts zählt. Die Ausstellung richtet den Blick damit auf einen Werkbereich, der im Schatten seiner berühmten Gemälde oft weniger Aufmerksamkeit erhält, für das Verständnis seines künstlerischen Denkens jedoch zentral ist.

Zu sehen sind rund 45 Druckgrafiken, die Bruegel als präzisen Beobachter, eigenständigen Erfinder und vielschichtigen Erzähler zeigen. Seine Bildwelt reicht von weit ausgreifenden Landschaften über religiöse und weltliche Sinnbilder bis zu Szenen des täglichen Lebens. In diesen Arbeiten verdichten sich Naturbeobachtung, Fantasie und gesellschaftlicher Kommentar zu Kompositionen, die häufig ebenso unterhaltsam wie gedanklich vielschichtig angelegt sind. Gerade in den grafischen Blättern wird sichtbar, wie souverän Bruegel mit bekannten Bildtraditionen umging und daraus neue, oft überraschende Bildlösungen entwickelte.

Ein wesentlicher Teil dieses Werks entstand in enger Verbindung mit dem Antwerpener Verleger Hieronymus Cock und dessen Frau Volcxken Diericx. In diesem publizistischen Umfeld fanden Bruegels Bildideen eine Form, die ihre Verbreitung weit über den unmittelbaren Entstehungskontext hinaus ermöglichte. Seine Druckgrafiken wurden schon zu Lebzeiten geschätzt und diskutiert. Sie boten Anlass zur Unterhaltung, konnten aber ebenso als Reflexion über menschliches Verhalten, über moralische Fragen und über die Ordnung der Welt gelesen werden. Typisch für Bruegel ist dabei die Verbindung von anschaulicher Nähe und gedanklicher Tiefe: Das Groteske steht neben dem Alltäglichen, Überzeichnung neben genauer Beobachtung.

Die Frankfurter Ausstellung geht von Beständen des Städel Museums aus und präsentiert rund 30 Blätter aus der eigenen Sammlung. Ergänzt wird die Auswahl durch Leihgaben aus der Albertina in Wien und der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Hinzu kommen zwei Gemälde von Pieter Brueghel dem Jüngeren sowie weitere Arbeiten aus dem niederländischen Grafikbestand des Hauses, darunter Werke nach Frans Floris, Lambert Lombard und Raffael. So entsteht ein erweiterter Blick auf das visuelle Umfeld, in dem Bruegels Druckgrafiken gesehen und verstanden werden können.

Interessant ist die Ausstellung auch deshalb, weil sie einen Künstler zeigt, dessen Arbeiten bis heute erstaunlich gegenwärtig wirken. Bruegel beobachtete Schwächen, Rituale und Widersprüche des menschlichen Zusammenlebens mit einem scharfen, oft ironischen Blick. Seine Bildfindungen sind voller kleiner Szenen, Nebenhandlungen und Anspielungen. Gerade diese Dichte macht sie bis heute anschlussfähig: Wer sich auf die Blätter einlässt, entdeckt nicht nur kunsthistorisch bedeutende Arbeiten, sondern eine Bildsprache, die zwischen Humor, Unruhe und kritischer Weltsicht oszilliert.

Mit „Bruegel. Printed“ lenkt das Städel Museum die Aufmerksamkeit auf die eigene Graphische Sammlung und zugleich auf einen Künstler, dessen Erfindungskraft sich im Medium der Druckgrafik besonders eindringlich entfaltet. Die Ausstellung bietet damit die Gelegenheit, Bruegel nicht nur als Maler, sondern als Bildautor von großer Reichweite neu zu betrachten.

| Städel Museum

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