Vom 17. April bis 31. Mai 2026 ist in der Bibliothek der Technischen Hochschule Wildau die Ausstellung „Die Eisenbahn in der Malerei“ zu sehen. Bereits zum Auftakt am 17. April ist eine Vernissage mit literarischer Lesung geplant, eine Woche später, am 24. April, folgt ein Fachvortrag zur Ausstellung. Damit rückt in Wildau ein Thema in den Mittelpunkt, das eng mit der Geschichte des Ortes verbunden ist und zugleich weit über die regionale Perspektive hinausweist.
Die Eisenbahn hat die Entwicklung der modernen Gesellschaft tiefgreifend verändert. Mit dem Ausbau des Schienenverkehrs veränderten sich Mobilität, Arbeitswelt, Handel und das Verhältnis von Raum und Zeit. Was heute selbstverständlich erscheint, wurde im 19. Jahrhundert als technischer Einschnitt von historischer Tragweite erlebt. Diese neue Form der Bewegung, das Eindringen von Maschinen in Landschaften und Städte sowie das beschleunigte Leben wurden früh auch von Künstlern aufgegriffen.
Genau an dieser Schnittstelle setzt die Ausstellung in der TH Wildau an. Sie betrachtet die Eisenbahn nicht allein als technische Errungenschaft, sondern als kulturelles Motiv, das in der Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts auf unterschiedliche Weise verarbeitet wurde. Bahnhöfe, Züge, Rauch, Geschwindigkeit und die veränderte Wahrnehmung von Landschaft wurden für viele Maler zu Bildthemen, an denen sich gesellschaftlicher Wandel exemplarisch ablesen lässt. Die Eisenbahn erscheint dabei nicht nur als Verkehrsmittel, sondern als Zeichen einer neuen Zeit.
Dass eine solche Ausstellung in Wildau stattfindet, ist folgerichtig. Die Stadt ist historisch eng mit dem Lokomotivbau verbunden. Während dieser Zusammenhang häufig aus industrie- oder technikgeschichtlicher Perspektive betrachtet wird, richtet die Schau den Blick auf die künstlerische Verarbeitung des Themas. Damit entsteht ein anderer Zugang zur Geschichte: weniger über Konstruktion und Funktion, stärker über Wahrnehmung, Atmosphäre und Symbolik.
Zu den prägenden Künstlern der frühen Eisenbahn-Darstellungen zählen unter anderem William Turner und Adolf Menzel. Ihre Werke zeigen, wie rasch die neue Technik Eingang in die Bildwelt ihrer Zeit fand. In den Darstellungen verdichten sich Faszination, Dynamik und auch die Ambivalenz, die mit dem technischen Fortschritt verbunden war. Die Ausstellung greift diese Entwicklung auf und macht die Eisenbahn als Motivgeschichte in der Malerei nachvollziehbar.
Ergänzt wird die Schau durch zwei Veranstaltungen. Zur Vernissage am 17. April gehört die literarische Lesung „Zug um Zug“, die deutlich macht, dass die Eisenbahn nicht nur Maler, sondern auch Autoren beschäftigt hat. Am 24. April führt Susanne Thässler-Wollenberg in einem Vortrag in das Thema ein und erläutert die historischen und kunstgeschichtlichen Zusammenhänge der gezeigten Arbeiten. Zu sehen ist die Ausstellung während der Öffnungszeiten der Hochschulbibliothek der TH Wildau, der Eintritt ist frei.
