Noch bis zum 5. Juli 2026 ist in ZEPHYR – Raum für Fotografie der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim die Ausstellung „Margaret Courtney-Clarke: Geographies of Drought“ zu sehen. Gezeigt wird eine fotografische Langzeitdokumentation, die sich mit den Folgen extremer Dürre in Namibia befasst – und mit den sozialen, politischen und historischen Verwerfungen, die sich darin spiegeln.
Die in Swakopmund geborene Fotografin Margaret Courtney-Clarke richtet ihren Blick nicht allein auf ausgetrocknete Landschaften und klimatische Extreme. Ihre Arbeiten zeigen ein Land, in dem Wasserknappheit nicht nur ein ökologisches Problem ist, sondern tief in den Alltag, die Lebensbedingungen und die gesellschaftlichen Strukturen eingreift. Die Bilder bewegen sich dabei zwischen dokumentarischer Präzision und einer Bildsprache, die gelegentlich fast entrückt wirkt. Gerade diese Spannung macht die Serie bemerkenswert: Sie zeigt keine bloße Katastrophenästhetik, sondern ein vielschichtiges Porträt von Lebensrealitäten unter extremen Bedingungen.
Namibia zählt zu den trockensten Regionen der Erde. Die wiederkehrenden Dürreperioden haben sich in den vergangenen Jahren weiter verschärft. In Courtney-Clarkes Fotografien wird sichtbar, wie eng Umweltkrise, soziale Ungleichheit und historische Belastungen miteinander verknüpft sind. Es geht um Land, um Zugang zu Wasser, um Ausschlüsse und Begrenzungen, aber auch um Strategien des Überlebens. Die Bilder erzählen damit nicht nur von Mangel, sondern auch von Beharrlichkeit, Anpassung und Einfallsreichtum.
Die Ausstellung entstand im Zusammenhang mit dem Open Call „Namibia – A Photographic View“, den die Reiss-Engelhorn-Museen gemeinsam mit der Abteilung Kultur und Tourismus der Stadt Windhoek ausgeschrieben hatten. Das Projekt steht im Kontext der Städtepartnerschaft zwischen Mannheim und Windhoek und ist damit mehr als eine klassische Einzelausstellung. Es versteht sich auch als Teil eines kulturellen Austauschs, der sich nicht mit symbolischer Repräsentation begnügt, sondern konkrete Perspektiven aus Namibia sichtbar machen will.
Courtney-Clarke gehört seit Jahren zu den international wahrgenommenen fotografischen Stimmen ihres Landes. In ihrem Werk beschäftigt sie sich immer wieder mit gesellschaftlichen Ungleichheiten, mit den Folgen historischer Enteignung und mit den Lebensbedingungen lokaler Gemeinschaften. Besonders präsent ist dabei die Frage, wie Menschen unter schwierigen Bedingungen Handlungsspielräume behaupten. Dass diese Arbeiten nun in Mannheim zu sehen sind, passt gut zu einem Ausstellungsort, der sich immer wieder auch politischen und dokumentarischen Positionen der Gegenwartsfotografie widmet.
Ergänzt wird die Ausstellung durch eine kleine Auswahl von Arbeiten der jungen Fotografin Rachel Sakeus. Ihre Serie „Tura Story“ richtet den Blick auf das Leben im Township Katutura in Windhoek und fügt dem Ausstellungsprojekt eine weitere Perspektive hinzu. So entsteht keine monolithische Erzählung über Namibia, sondern ein offenerer Blick auf ein Land, dessen Gegenwart von Klima, Geschichte und sozialer Wirklichkeit zugleich geprägt ist.
