Cholud Kassem in Heidelberg – Im Schutz des Rituals

Schutzschilde, Masken, Helme, Pfeile, Gewänder: In der Ausstellung „Im Schutz des Rituals“ im Kurpfälzischen Museum Heidelberg begegnen einem Formen und Zeichen, die Cholud Kassem seit Jahrzehnten beschäftigen. Sie tauchen in unterschiedlichen Werkgruppen auf, verändern sich, werden reduziert, überlagert oder in neue Zusammenhänge gestellt. Das Ergebnis ist eine sehr eigene Bildsprache irgendwo zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion.

Die vom Kulturamt Heidelberg organisierte Retrospektive versammelt Arbeiten aus rund 35 Jahren. Zu sehen sind Malerei, Collagen, Keramikobjekte und Videoarbeiten von den frühen 1990er Jahren bis in die Gegenwart. Damit bietet die Ausstellung nicht nur einen Überblick über einzelne Werkphasen, sondern macht vor allem sichtbar, wie konsequent bestimmte Motive und Fragestellungen Kassems Arbeit seit Jahrzehnten durchziehen.

Das Thema Schutz steckt dabei nicht nur im Titel. Schild und Helm, Hülle und Verkleidung, aber auch Pfeile und andere zeichenhafte Formen erscheinen immer wieder. Manche wirken wehrhaft, andere fragil. Vieles wirkt bewusst mehrdeutig. Kassem arbeitet häufig seriell: Ein einmal gefundenes Zeichen wird nicht abgeschlossen, sondern weiterentwickelt, variiert und in einen anderen Zusammenhang überführt.

Eine weitere Ebene bilden Fragen nach Herkunft, Erinnerung und Zugehörigkeit. Cholud Kassem wurde 1956 in Bagdad geboren und kam als kleines Kind nach Deutschland. Sie wuchs hier auf und studierte in Heidelberg Kunst. Die spätere Begegnung mit ihrer irakischen Familie eröffnete einen zweiten Blick auf die eigene Biografie und kulturelle Prägung. Diese Erfahrung findet Eingang in ihre Arbeit, ohne dass daraus unmittelbar biografische Bilder werden.

Vernissage der Ausstellung von Cholud Kassem Fotos: Frank Schindelbeck Fotografie

Gerade in der Retrospektive wird deutlich, wie eng die verschiedenen Werkgruppen miteinander verbunden sind. Formen verschwinden und kehren Jahre später in veränderter Gestalt zurück. Aus einzelnen Motiven entwickelt sich über die Jahrzehnte ein wiedererkennbares Vokabular. Die Ausstellung funktioniert deshalb nicht nu rals chronologische Rückschau, sondern als Blick auf ein über einen langen Zeitraum gewachsenes Geflecht von Bildern, Zeichen und Objekten.

„Im Schutz des Rituals“ ist Teil der Heidelberger Ausstellungsreihe „Retrospektiven Heidelberger Künstlerpersönlichkeiten“. Die Ausstellung ist noch bis zum 13. September 2026 im Kurpfälzischen Museum Heidelberg zu sehen. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am 6. September um 15 Uhr findet außerdem eine Führung mit Cholud Kassem statt.

| Cholud Kassem

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