Gegen das Vergessen: [laut] Die Welt hören – Berlin 22.3.-16.9.2018

Laut die Welt hören - Humboldt Forum Berlin Ausstellung

Der Arab Fund for Arts and Culture (AFAC) unterstützt den Beitrag der Beiruter AMAR Foundation zur Ausstellung „[laut] Die Welt hören“, die vom 22. März bis 16. September 2018 in der Humboldt-Box in Berlin zu erleben ist. Unter dem Titel „Gegen das Vergessen“ präsentiert die Stiftung für die Dokumentation und Erforschung arabischer Musik heute nahezu vergessene Aufnahmen klassischer arabischer Musik aus dem frühen 20. Jahrhundert sowie zeitgenössische Videos, die jene musikalische Traditionen von Minderheiten dokumentieren, die der Verdrängung durch Mainstream-Bewegungen ausgesetzt sind.

Anfang des 20. Jahrhunderts erweiterten westliche Plattenfirmen wie die Berliner Beka oder die englische Grammophon ihren Markt auf den arabischen Raum und stellten so, gemeinsam mit levantinischen Tonstudios, die Aufzeichnung und Verbreitung klassischer arabischer Musik sicher. Als sich in den 1930er Jahren die arabische Musik grundlegend wandelte, gerieten diese frühen Aufnahmen in Vergessenheit. Einem ähnlichen Phänomen ist heute die Musik arabischer Minderheiten unterworfen, die von Unruhe und Krieg in den letzten Jahren besonders betroffen sind. Um sie zu erhalten, werden die jahrhundertelang bewahrten und von Generation zu Generation oral überlieferten musikalischen Traditionen von AMAR dokumentiert und archiviert.

Die Stiftung AMAR hat im Jahr 2009 begonnen, Aufnahmen klassischer arabischer Musik aus dem frühen 20. Jahrhundert zu digitalisieren und damit einer zeitgenössischen Zuhörerschaft wieder zugänglich zu machen. Mithilfe von Videoaufzeichnungen werden die gefährdeten oralen Traditionen ethnischer wie religiöser Minderheiten im arabischen Raum festgehalten, um das musikalische Erbe zu wahren. Beispiele aus beiden Bereiche – Tonaufzeichnungen wie Videos – werden im Rahmen der Ausstellung „[laut] Die Welt hören“ in Berlin in sieben Installationen präsentiert:

Eine Installation ist den Aufnahmen des als „Caruso des Ostens“ berühmten Ägypters Yusuf al-Mayalawi (1847-1911) gewidmet, die zu den frühesten Tondokumenten eines arabischen Sängers gehören. Weitere Installationen präsentieren westliche wie arabische Plattenfirmen als Bewahrer der Musik der Nahda-Bewegung, Dokumentationen von Sufi-Gesängen aus Anlass der Begehung des Geburtstages des Propheten Mohammed und koptische Feiergesänge im Kloster der Heiligen Maria auf dem Berg Dronka, der angeblich letzten Station der heiligen Familie während ihrer Flucht aus Ägypten. Darüber hinaus zeigen gesammelte Videodokumente die musikalischen Traditionen der im Irak verfolgten Kawliyah und der Djezrawi, einer Gemeinschaft aus kurdischen, jessidischen, armenischen und assyrischen Flüchtlingen, sowie letzte orale Überlieferungen des bis heute bewahrten, aber im Verschwinden begriffenen Al Hilali-Epos.

„Gegen das Vergessen“ ist Teil der von der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss organisierten Ausstellung „[laut] Die Welt hören“, die mit dem Berliner Phonogramm-Archiv und dem Lautarchiv zwei Institutionen zusammen bringt, die für ihre Tonaufnahmen aus aller Welt berühmt sind. Die Ausstellung – ergänzt um Klänge aus der renommierten AMAR Foundation (Beirut) – lässt die Faszination dieser Aufnahmen erlebbar werden und befragt zugleich die komplexen Zusammenhänge, die sich in den Archiven verdichten: die Techniken wie die Ziele der Aufzeichnung; die Bedingungen, unter denen Sprachen und Musik eingefangen wurden; die Entstehung eines Weltmusikmarktes und die Begegnungen von Klängen und Kulturen. Leitend ist die vielleicht brisanteste Frage, entstanden mit der neuen Technik selbst: Wem gehört der Klang?

Das Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums, Staatliche Museen zu Berlin, und das Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin werden ab 2019 im Humboldt Forum zugänglich sein.

Träger der Ausstellung „[laut] Die Welt hören“ ist die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Kulturprojekte Berlin mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin sowie mit der AMAR Foundation in Beirut und mit Unterstützung des Arab Fund for Arts and Culture.

„[laut] Die Welt hören“
22. März bis 16. September 2018
Humboldt-Box, Schlossplatz 5, 10178 Berlin
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr
Eintritt frei

| www.humboldtforum.com

Kontrapunkte Speyer 2018

Speyer Kontrapunkte - Foto: Schindelbeck

Ab dem 15. April findet wieder die vom Pianisten Stephan Rahn organisierte und kuratierte Reihe mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts statt. Die Kontrapunkte geben auch 2018 einen Einblick in die Vielfältigkeit und Originalität der modernen zeitgenössischen Musik: von Anklängen aus dem Jazz bis zur klassischen Moderne.

Das Programm

Scriabin Code
Ein musikalischer Dialog in Farben
Konzert I, 15. April 2018, 18.00 Uhr, Historischer Ratssaal Speyer

Martin Albrecht, Klarinette & Electronics
Katharina Groß, Kontrabass
Daniel Prandl, Klavier
Dirik Schilgen, Schlagzeug
Asli Kilic, Klavier
Reinhard Geller, Visuals

Apparition – Henry Purcell | George Crumb | Peter Heeren
Konzert II, 22. April 2018, 18.00 Uhr, Historischer Ratssaal Speyer

Hiltrud Kuhlmann, Sopran
Kristian Nyquist, Cembalo
Christine Rahn, Klavier

Russische Klaviertrios
Alfred Schnittke | Dimitri Schostakowitsch
Konzert III, 06. Mai 2018, 18.00 Uhr, Historischer Ratssaal Speyer

Sebastian Schmidt, Violine
Gustav Rivinius, Violoncello
Guido Heinke, Klavier

Different Trains
Steve Reich | Samuel Barber| George Crumb
Konzert IV, 13. Mai 2018, 18.00 Uhr Historischer Ratssaal Speyer

Sonar Quartett
Susanne Zapf, Violine
Wojciech Garbowski, Violine
Nikolaus Schlierf, Viola
Cosima Gerhardt, Violoncello

| Kontrapunkte Speyer Informationen und detailliertes Programm

 

Basquiat in der Schirn Kunsthalle Frankfurt 16.2. – 27.5.2018

BOOM FOR REAL

BASQUIAT. BOOM FOR REAL, exhibition view, © Schirn
Kunsthalle Frankfurt, 2018, Photo: Norbert Miguletz, Artworks: ©
VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Estate of Jean-Michel Basquiat

BOOM FOR REAL

Jean-Michel Basquiat (1960–1988) zählt heute zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Mehr als 30 Jahre nach seiner letzten Einzelpräsentation in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland widmet die Schirn Kunsthalle Frankfurt dem Werk des US- amerikanischen Künstlers eine große Ausstellung. Vom 16. Februar bis 27. Mai 2018 wird in über 100 Werken erstmals Basquiats Beziehung zu Musik, Texten, Film und Fernsehen seiner Zeit in einem übergeordneten kulturellen Zusammenhang deutlich.

Im New York der 1970er- und 1980er-Jahre hinterließ Basquiat mit seinem Klassenkameraden Al Diaz unter dem Pseudonym SAMO© poetisch-konzeptuelle Graffitis auf Häuserwänden,

collagierte Baseball- und Postkarten, malte auf Kleidung, Türen, Möbeln, riesigen Leinwänden und allem, was ihn umgab. Basquiat arbeitete mit vielen Künstlerinnen und Künstlern zusammen, u. a. mit Andy Warhol und Keith Haring. Er spielte in dem Film New York Beat mit Blondies Sängerin Debbie Harry und trat zusammen mit seiner experimentellen Band Gray auf. Er entwickelte Wandbilder und Installationen für New Yorker Clubs wie Area und Palladium und produzierte gemeinsam mit K-Rob und Rammellzee die Hip-Hop-Platte Beat Bop. Aus dieser sich im Lower Manhattan versammelnden Kreativszene des Post-Punk-Undergrounds heraus eroberte Basquiat die Kunstwelt und erhielt 1982 als bis dahin jüngster Teilnehmer in der Geschichte der documenta internationale Anerkennung. Seine Bilder hingen neben Werken von Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Gerhard Richter und Cy Twombly. Basquiats lebendige, rohe Bilderwelt entspringt einer Belesenheit, die sich in großen Schrift- und Textfragmenten durch das gesamte Werk zieht. Sie zeugt von seinen enzyklopädischen Interessen und seiner Erfahrung als junger Künstler ohne akademische Ausbildung. Basquiat pflegte einen spielerischen Umgang mit Sprache, liebte den Rhythmus und die Wiederholung von Worten, das Sampeln und Scratchen. Er rebellierte mit Worten, Wortmutationen und Auslöschungen gegen die politische Gleichgültigkeit – seine einzigartige Malerei richtet sich gegen Ausbeutung, Konsumwahn, Unterdrückung, Rassismus und Polizeigewalt.

Die Ausstellung in der Schirn zeichnet Basquiats künstlerischen Weg von den Anfängen bis zu seinem frühen Tod im Alter von 27 Jahren, im Jahr 1988 nach. Sie beleuchtet in verschiedenen Themenbereichen sowohl die kunsthistorische Einordnung seines Œuvres als auch dessen Rezeptionsgeschichte. Unterschiedliche Aspekte wie die Rolle von SAMO© und der Einfluss der New Yorker Downtown-Szene auf Basquiats künstlerische Entwicklung oder die Bedeutung seiner bisher selten erwähnten interdisziplinären Kunstproduktion werden in der Ausstellung diskutiert.

Die Schirn hat hierfür herausragende Gemälde, Zeichnungen, Notizbücher und Objekte von Basquiat aus öffentlichen wie privaten Sammlungen sowie seltene Filme, Fotografien, Musik und Archivmaterial versammelt. Die Vielfalt und Dynamik des Ausnahmekünstlers wird so eindrücklich sichtbar.

| Schirn Frankfurt